Gebet und Ansprache des Apostolischen Nuntius in der Heimkehrer-Dankeskirche

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Gebet:


Lasset uns beten:

Allmächtiger, ewiger Gott, du bist die Quelle aller Güte. Du hast uns Menschen geschaffen nach deinem Bild und Gleichnis. Durch das Wirken des Heiligen Geistes im Schoß der Jungfrau Maria ist dein Sohn Mensch geworden, in allem uns gleich - außer in der Sünde. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er uns den Weg des Heils eröffnet und uns durch den Glauben und die Taufe erlöst und zu deinen Kindern gemacht.

Der Blick auf unser Leben lässt uns erkennen, wie deine Liebe uns Menschen immer in Treue begleitet. Du hast einst die Kriegsgefangenen nach langen Jahren der Entbehrung und des Hungers heimkehren lassen und ihre Tränen in Freude gewandelt.

Sei allen mit deinem Licht und deiner Kraft nahe, die in unseren Tagen Opfer von Ausbeutung und ungerechter Gewalt sind, und erfülle sie mit dem Geist verzeihender Liebe.
Heilige Maria, sei du unsere Fürsprecherin bei Gott, dass wir treu und beharrlich tun, was dein Sohn uns aufträgt.

Dir, Allerheiligste Dreifaltigkeit, in der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, sei Ehre und Herrlichkeit – jetzt und in Ewigkeit!

Amen!

 

 

 

Ansprache
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
am Schluss der Andacht in der Heimkehrer-Dankeskirche

Bochum-Weitmar, 2. Juni 2012


Der Besuch der Heimkehrer-Dankeskirche hier in Bochum-Weitmar ist für mich – und sicher für uns alle - eine Wallfahrt aus der Geschichte und in die Geschichte – unter der Leitung ihres Erbauers, Pfarrer August Halbe, der am 17. März vor 100 Jahren geboren wurde.

Warum Heimkehr?
Warum Dank?

Heimkehr: Pfarrer Halbe, der am 7. Januar 1940 in Paderborn zum Priester geweiht worden war, wurde schon bald danach zum Sanitätsdienst in der Wehrmacht eingezogen. Er war zuerst in Ostpreußen eingesetzt, dann war er an der Front in Frankreich und in Russland im Dienst an den Kameraden - auch als Seelsorger - tätig. Schließlich geriet er Ende August 1944 in Siebenbürgen - in Zentralrumänien – in russische Kriegsgefangenschaft, in der er bis zu seiner Entlassung im Dezember 1949 blieb. Für ihn wurde diese Zeit der Gefangenschaft zu einer Zeit der Gnade, da er die Nähe Gottes im gemeinsamen Schicksal mit anderen erfahren und so zum Zeugnis für den Glauben an Christus werden konnte. Seine Heimkehr wurde für ihn ein Zeichen dafür, dass Gott ihn nicht vergessen hatte, wie der Psalmist sagt: „Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach. … An dem Tag, da ich mich fürchten muss, setze ich auf dich mein Vertrauen“ (Ps 56, 2.4).

Deshalb wird Heimkehr zu Dank gewandelt. So sagt der Psalmist weiter: „Ich schulde dir die Erfüllung meiner Gelübde, o Gott, ich will dir ein Dankopfer weihen“ (Ps 56, 13).

So ist diese Heimkehr-Dankeskirche in den Fünfzigerjahren gebaut worden und am 13. Dezember 1959 auf das Patrozinium „Heilige Familie – Heimkehr aus Ägypten“ geweiht. Diese Kirche geht auf die Initiative von Pfarrer Halbe zurück, doch sind es Ungezählte, die sie durch ihren Einsatz und durch ihr Opfer ermöglicht haben. Zugleich haben sie so den kommenden Generationen die Mahnung hinterlassen, das persönliche und das gesellschaftliche Leben und den Staat auf Gott zu bauen.

Vor dem Bild der Muttesgottes hier erleben wir, was Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt am 23. September im vorigen Jahr im Marienheiligtum in Etzelsbach zum Ausdruck brachte, als er sagte, dass Maria uns „Geborgenheit und neue Kraft“ schenkt. Die aber sind für uns immer wieder nötig, damit wir unsere Aufgaben in Politik und Gesellschaft erfüllen können – und in der Kirche in der Neuevangelisierung der Welt.

Nicht ohne Grund ist Maria unsere beste Wegweiserin auf den Wegen der Welt, wie Papst Benedikt XVI. uns in Etzelsbach sagte: „Wir gehen durch Höhen und Tiefen, aber Maria tritt für uns ein bei ihrem Sohn und hilft uns, die Kraft seiner göttlichen Liebe zu finden und sich ihr zu öffnen.“

Was sie, die Mutter Christi, auf der Hochzeit zu Kana zu den Dienern sagte, das sagt sie auch uns: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2, 5).

Amen!

 

(Foto: Hermann Haferkamp)