Neuigkeiten aus Heilige Familie

Gedenken an Pfarrer August Halbe - Förderverein traf sich zur Mitgliederversammlung und setzt sich für den Erhalt der Heimkehrer-Dankeskirche ein

Heimkehrer-Dankeskirche
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Einen besonderen Gedenktag feierte am vergangenen Sonntag (18. März 2012) die Heimkehrer-Dankeskirche Bochum-Weitmar. Sie gedachte in einem festlichen Hochamt am 4. Fastensonntag (lat. laetare "freue dich!") mit Pastor Theo Schwens, der vom Ruhrbischof auch weiterhin besonders für die Kirche mit ihrer Gedenkstätte in der Krypta beauftragt ist, ihrem Erbauer und 1. Pfarrer, August Halbe, der an diesem Wochenende 100 Jahre alt geworden wäre. 

Unter den zahlreichen Gläubigen konnte Pastor Theo Schwens unter anderem einige Verwandte des Priesters August Halbe in der Heimkehrer-Dankeskirche begrüßen, die aus dem sauerländischen Geburtsort Ottfingen und der Umgebung angereist waren. Seine schriftlichen Grüße übermittelte auch der Ottfinger Pfarrer Ludger Vornholz der Gemeinde.

Dem Erbe Pfarrer August Halbes – einen ‚lebendigen Dankaltar’ als Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern zu schaffen und so seinen Dank für die glückliche Rettung aus der Kriegsgefangenschaft auszudrücken – fühlen sich bis heute viele Menschen in der Gemeinde an der Filialkirche Heilige Familie verpflichtet. Der Vertreter Papst Benedikt XVI. in Deutschland, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, der am 2. Juni 2012 in der Heimkehrer-Dankeskirche zu Gast sein wird, richtete zum 50. Weihetag des Gotteshauses im Jahr 2009 eine schriftliche Grußbotschaft an die Gemeinde mit folgendem Auftrag: „Mit dem Dank an Gott, der in der ‘Heimkehrer-Dankeskirche’ seinen Ausdruck findet, verbindet sich … das dankbare Gedenken an Pfarrer August Halbe und alle, die seinerzeit zur Umsetzung des Projektes beigetragen haben, aber auch an die, die sich dem Vermächtnis verpflichtet wissen, das mit dieser Kirche verbunden ist.“

Diesem Anliegen – sich Halbes Vermächtnis verpflichtet zu wissen – möchte der Förderverein Heimkehrer-Dankeskirche Bochum-Weitmar Rechnung tragen. Er sorgt dafür, die weitere Gemeindearbeit finanziell zu fördern und zu unterstützen. Nachdem die Pfarrei St. Franziskus mit der Filialkirche Heilige Familie (Heimkehrer-Dankeskirche) errichtet wurde, stehen der Kirche auch weniger Kirchensteuermittel zur Verfügung. So sorgt der Förderverein dafür, dass hier auch weiterhin ein Gemeindeleben möglich ist. Im Anschluss an das festliche Hochamt, indem auch besonders an die verstorbenen Mitglieder des Fördervereins gedacht wurde, trafen sich die Mitglieder im Gemeindeheim zur diesjährigen Mitgliederversammlung. In der Vergangenheit konnten bereits einige Maßnahmen durch den Verein unterstützt werden. Darüber informierte der Vorsitzende Dr. Jochen Drügh die Mitglieder in seinem Bericht. Unter anderem beschloss die Versammlung, die örtlichen Pfadfinder mit einem entsprechenden Betrag bei der Anschaffung neuer Zelte zu unterstützen. Während der Versammlung wurde auch ein neuer Vorstand gewählt. Dieser setzt sich nun wie folgt zusammen: Dr. Jochen Drügh (Vorsitzender), Alfons Stiewe (stellvertretender Vorsitzender), Lothar Schmidt (Kassierer), Bernd Heumann (Schriftführer) und Pfarrer Norbert Humberg (geborenes Mitglied). Pastor Theo Schwens richtete zum Schluss noch einige Worte an die zahlreich erschienenen Mitglieder und wies auf die Bedeutung der Heimkehrer-Dankeskirche und besonders ihre aussagekräftigen Kirchenfenster hin.

Dr. Jochen Drügh bedankte sich besonders für die finanzielle Unterstützung durch Gruppen und Vereine der Gemeinde sowie die Spenden einzelner Privatpersonen. Besonders erwähnte er die Einnahmen aus dem Gemeindefest, des Basars des Handarbeits- und Bastelkreises und des KAB-Lottotipps. Diese Beträge konnten dem Förderverein für seine Arbeit zur Verfügung gestellt werden.

"Wir möchten die Menschen stärker an die Heimkehrer-Dankeskirche binden, ihnen eine Plattform bieten, sich zu engagieren und so das Gefühl der Verbundenheit mit ihrer Kirche stärken.", so der Vorsitzende, Dr. Jochen Drügh.

Informationen zum Förderverein gibt es bei Dr. Jochen Drügh (Tel.: 0234 4628408, Email: druegh.bochum@arcor.de) oder Alfons Stiewe (Tel.: 0234 471525, Email: alfons.stiewe@web.de).

Gruppen, Vereine und Verbände haben auch die Möglichkeit die Kirche und ihre Gedenkstätte in der Krypta nach vorheriger Terminabsprache zu besuchen und an einer Kirchenführung teilzunehmen. Ansprechpartner sind Alfons Stiewe und Christian Herker (Tel.: 0234 473453, Email: christianherker@yahoo.de).


Hintergrund:

Die Heimkehrer-Dankeskirche wurde 1958 von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren ehemaligen Kriegsgefangenen den Bau der Kirche. Im Dezember 1959 weihte Bischof Dr. Franz Hengsbach von Essen die Kirche, welche seit 2005 unter Denkmalschutz steht. Für viele Menschen ist die Heimkehrer-Dankeskirche ein Ort der Erinnerung und ein Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern.


Foto (v.l.n.r.):
 

Lothar Schmidt, Dr. Jochen Drügh, Alfons Stiewe, Bernd Heumann.


Bild: Christian Herker

Gemeinde gedenkt ihrem Gründer

Heimkehrer-Dankeskirche
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100. Geburtstag des ersten Pfarrers der Heimkehrer-Dankeskirche

Am 17. März 2012 wäre Pfarrer August Halbe 100 Jahre alt geworden. Dies ist für die Gemeinde an der Filialkirche Heilige Familie in Bochum-Weitmar ein Grund zur dankbaren Erinnerung an ihren Gründerpfarrer. Pastor i. b. D. Theo Schwens, Pfarrer von 1992 – 2002 und heute vom Ruhrbischof weiterhin besonders für die Heimkehrer-Dankeskirche beauftragt, wird in der Kirche an der Karl-Friedrich-Str. 109 in Weitmar aus diesem Anlass am Sonntag, 18. März 2012 um 10 Uhr das Hochamt feiern.

Geboren wurde August Halbe 1912 in Ottfingen im Erzbistum Paderborn als 6. Kind von 10 Geschwistern. 1932 machte er in Attendorn das Abitur. Nach dem Theologiestudium empfing er am 7. Januar 1940 durch Erzbischof Kasper Klein im Dom zu Paderborn die Priesterweihe. „Sein ‚Adsum’ – Hier bin ich – kam aus der Tiefe seines Herzens im Glauben an Jesus Christus,…“, so beschrieb es sein langjähriger Weggefährte Pfarrer Leonhard van der Velden (gestorben am 7. Dezember 2009 in Kevelaer) in seiner Predigt am Begräbnistag in seinem Heimatort Ottfingen. In Ottfingen konnte Halbe dann am 14. Januar 1940 auch seine Primiz, also die erste heilige Messe, feiern. Erste seelsorgliche Erfahrungen machte Halbe dann in Magdeburg. 1940 wurde er schließlich zum Sanitätsdienst nach Tapiau (Ostpreußen) eingezogen. Van der Velden beschrieb ihn als hilfsbereiten Kameraden an der Front in Frankreich und Russland. Am 30. August 1944 kam er mit van der Velden beim 2. großen Zusammenbruch der 6. Armee in Rumänien in russische Kriegsgefangenschaft. In seinem Buch „5 Jahre als Kriegsgefangener Priester im Ural“ schildert Halbe später seine Erinnerungen an die Kriegsjahre. Im Vorwort resümiert Halbe: „Der Priesterberuf gab meinen Gefangenschaftsjahren eine besondere Note. Ich höre nicht gerne, wenn Heimkehrer sagen, die Zeit der Gefangenschaft sei eine verlorene Zeit gewesen.“ Van der Velden, den Halbe in seinem Buch liebevoll ‚Bruder Leo’ nannte, bekannte: „Die Gefangenschaftsjahre haben uns Gottes unmittelnahe Nähe erfahren lassen, uns reifer gemacht zum Zeugnis für den Glauben an den einen Herrn Jesus Christus.“ Seine Heimkehr schilderte Halbe in seinen Niederschriften so: „Am Vormittag des 6. Dezember 1949, dem Fest des hl. Nikolaus traf ich auf dem Heimatbahnhof ein. Gern wäre ich den zwei Kilometer weiten Weg zum Heimatdorf allein hinaufgegangen. Doch es hatte jemand von der Bahnstation zum Dorf telefonisch die Nachricht von meiner Ankunft durchgegeben. So kamen die Eltern, Geschwister, Nachbarn und dann in immer dichteren Scharen die Dorfbewohner mir entgegen. Der abgetragene russische Watteanzug und die Pelzmütze hatten mich noch nicht unkenntlich gemacht. … Der ganze Zug folgte mir am Elternhaus vorbei zur Kirche, um mit mir Gott zu danken und das Lied anzustimmen: ‚Großer Gott wir loben Dich!’“ Weiter bekennt Halbe: „Ich bin überzeugt, dass mehr die Gebete der Heimat als das Wohlwollen der Siegermächte im Osten unsere Heimkehr erwirkt haben.“ Vom 15. April 1950 an war er Kaplan in der Pfarrgemeinde St. Franziskus Bochum-Weitmar, wo er mit vielen Heimkehrern danksagen wollte im Bau einer Heimkehrer-Dankeskirche im Ortsteil Mark-Neuling, die am 12. Dezember 1959 auf das Patrozinium „Heilige Familie – Heimkehr aus Ägypten“ geweiht wurde. Dort wurde er am 6. Januar 1960 zum Pfarrer ernannt. Dem unnachlässigen Beharren August Halbes ist der Kirchbau zu verdanken. Für viele Menschen ist die Heimkehrer-Dankeskirche als „lebendiger Dankaltar“ bis heute ein Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern. Beim 7. Heimkehrertreffen 1967 konnten Tafeln mit den Namen zahlreicher Kriegsgefangenenlager in Ost und West in die Gedenkstätte in der Krypta getragen werden. Am 6. Juli 1969 musste Pfarrer Halbe aus gesundheitlichen Gründen auf seine Pfarrstelle verzichten. Sein Nachfolger als Pfarrer der Heimkehrer-Dankeskirche wurde Pfarrer Helmut-Martin Jägersberg (gestorben am 1. Mai 2010 in Bochum-Weitmar). Nach den Weitmaraner Jahren wirkte August Halbe noch fünf Jahre seelsorglich in Meinerzhagen. Am 5. August 1974 verstarb Halbe in Olpe. Die Gemeinde Heilige Familie Bochum-Weitmar wird ihrem Gründer und ersten Pfarrer ein ehrenvolles Gedenken bewahren.

Vertreter Papst Benedikt XVI. besucht Heimkehrer-Dankeskirche

Hohen Besuch bekommt die Heimkehrer-Dankeskirche in diesem besonderen Jahr: Am 2. Juni 2012 wird Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset um 16.30 Uhr in Weitmar-Mark zu Gast sein. Der Erzbischof ist Botschafter des Papstes in Deutschland und kommt aus Anlass der 89. Wallfahrt der katholischen Eichsfelder nach Bochum-Stiepel am Dreifaltigkeitssonntag (3. Juni 2012). Vorher macht er in Weitmar Station, wo er nach einer Andacht und einer Ansprache an die versammelten Gläubigen den bischöflichen Segen Erteilen wird. Alle Interessierten sind zu der Begegnung mit dem päpstlichen Vertreter sehr herzlich eingeladen.

 

Foto: Hermann Haferkamp

Besuch aus Hong Kong

Heimkehrer-Dankeskirche
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Chinesen von Heimkehrer-Dankeskirche beeindruckt

Besuch aus der Partnerdiözese Hongkong bekam kürzlich das Bischöfliche Jugendamt in Essen. 23 junge Menschen sind von fern angereist, um sich im Bistum Essen mit Jugendlichen über die kirchliche Jugendarbeit auszutauschen und über Begegnungsmöglichkeiten nachzudenken. Im Laufe ihres Besuches konnten sie Projekte der Jugendberufshilfe, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Jugendkirchen oder die Freiwilligendienste im Bistum näher kennenlernen. Aber auch die Kultur kommt bei diesem Besuch nicht zu kurz. So standen auch Besuche auf Zeche Zollverein, des Ruhrmuseums, des Gasometers und der Bochumer Heimkehrer-Dankeskirche in Weitmar auf dem Programm. Untergebracht war die Gruppe gemeinsam mit den Jugendlichen aus dem Bistum Essen im Jugendhaus St. Altfrid.

Besuch aus Hongkong in der Heimkehrer-DankeskircheBegleitet wurde die Gruppe der jungen Chinesen bei ihrem Besuch in der Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar von dem Bochum Stadtjugendpfarrer Matthias Feldmann und dem BDKJ-Stadtseelsorger Florian Rommert. Alfons Stiewe führte die Besuchergruppe dann durch die Heimkehrer-Dankeskirche und brachte den jungen Chinesen so ein bedeutendes Stück deutscher Geschichte näher. Die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar wurde 1958 von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren Kriegsgefangenen den Bau der Kirche als Ausdruck der Dankbarkeit vor Gott und die Rettung aus der Haft. Am 12. Dezember 1959 weihte der erste Essener Bischof Dr. Franz Hengsbach die Kirche und seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz. In der Krypta befindet sich heute ein Museum, das zahlreiche Gegenstände enthält, die in den Lagern mit deutschen Kriegsgefangenen entstanden sind. Hinzu kommen Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen, unter anderem eine Kopie der bekannten Madonna aus Stalingrad. Die Kirche ist somit zu einem Erinnerungsort von nationalem Rang geworden, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta lohnenswert: Zum einen erhalten sie Einblicke in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermittelt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit. Nachfolgenden Generationen soll hier vor Augen geführt werden, dass das Recht der Freiheit und der Menschenwürde nicht selbstverständlich ist und stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden muss.

Besuch aus Hongkong in der Heimkehrer-DankeskircheAssunta aus Hong Kong, eine der Teilnehmerinnen, meinte nach dem Kirchenbesuch: "Ich empfinde es als so großartig, Zeuge der Geschichte dieser Gemeinde zu sein." Eine weitere chinesische Teilnehmerin, Natalie, sagt: "Wir sind sehr stolz, dass wir die Chance hatten, deutsche Geschichte zu erleben. Der Schmerz und die Fehler, die über uns eingebrochen waren, zeigen uns, dass Friede und Einheit zielführend sind." Dann fährt Natalie mit einem Gebet fort: "Der barmherzige Gott beschütze diese Gedenkstätte und es macht mich glücklich, dass er mich sicher nachhause begleiten wird." Der Chinese Kim, ebenfalls aus Hong Kong, formuliert im Gästebuch der Heimkehrer-Dankeskirche eindruckvoll ein Gebet, dass die Umschreibung der berühmten Stalingradmadonna - Licht, Leben, Liebe - aufgreift: "Danke Gott, dass du uns ein Licht gesandt hast. Du hast die Gnade des Seins, besitzt das Leben und die kostbare Gabe zu lieben und geliebt zu werden."

Als Alfons Stiewe zum Abschluss des Besuches der Gäste aus dem Partnerbistum Hong Kong die Schutzmantelmadonna der Kirche am Seitenaltar erläuterte, zündet er zwei Kerzen an. Eine - so sagt er - für Hong Kong und eine für das Bistum Essen. Daraufhin ertönte in dem Bochumer Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern etwas sicherlich einzigartiges und symbolträchtiges: In chinesicher, deutscher, englischer Sprache begannen die Teilnehmer zu beten und wandten sich international mit dem "Ave Maria" vertrauensvoll an die Gottesmutter.

Fotos: H. Haferkamp

Nach-Primiz in der Krypta

Heimkehrer-Dankeskirche
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Pater Placidus feiert Nach-Primiz an denkwürdigem Ort

Eine Primizfeier an einem denkwürdigen Ort beging kürzlich ein Zisterziensermönch aus dem Priorat Bochum-Stiepel. Die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar wurde 1958 von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren Kriegsgefangenen den Bau der Kirche als Ausdruck der Dankbarkeit vor Gott und die Rettung aus der Haft. Am 12. Dezember 1959 weihte Bischof Dr. Franz Hengsbach die Kirche und seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz. In der Krypta befinden sich eine Gedenkstätte und ein Museum, das zahlreiche Gegenstände enthält, die in den Lagern mit deutschen Kriegsgefangenen entstanden sind. Hinzu kommen Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen, unter anderem eine Kopie der bekannten Madonna aus Stalingrad. Die Kirche ist somit zu einem Erinnerungsort von nationalem Rang geworden, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta lohnenswert: Zum einen erhalten sie Einblicke in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermittelt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit. Nachfolgenden Generationen soll hier vor Augen geführt werden, dass das Recht der Freiheit und der Menschenwürde nicht selbstverständlich ist und stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden muss.

Gerade diesen Ort suchte sich der Zisterzienserpater Placidus Beilicke, der am 17. Juni 2011 von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck in der Wallfahrtskirche Bochum-Stiepel zum Priester geweiht wurde, für eine Heilige Messe als Nach-Primz aus. Der Vater von Pater Placidus war selber noch Kriegsheimkehrer. Daher dachte der Primiziant in dieser heiligen Messe in der Krypta des Gotteshauses in Bochum-Weitmar auch besonders an seinen verstorbenen Vater.

Nach-Primiz in der KryptaIn seiner Predigt nahm Pater Placidus besonders das "ergreifende Marienbild der Muttergottes von Stalingrad" in den Blick seiner Betrachtungen. Das Bild zeigt eine sitzende Frauengestalt, die ähnlich einer Schutzmantelmadonna unter ihrem Mantel ein Kind birgt, dieses liebevoll ansieht und ihm Schutz und Geborgenheit gibt. Die Darstellung trägt die Umschrift "1942 Weihnachten im Kessel – Festung Stalingrad – Licht, Leben, Liebe". Gezeichnet wurde das 105 × 80 Zentimeter große Bild mit (Holz)-Kohle auf die Rückseite einer russischen Landkarte. Eine Reproduktion als bestickter Wandbehang befindet sich in der Krypta der Bochumer Heimkehrer-Dankeskirche. Das Original befindet sich nun in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächniskirche. Das Weihnachten 1942 von dem evangelischen Pastor, Oberarzt im Lazarett und Künstler Dr. Kurt Reuber gezeichnete Bild entstand in einem Unterstand im Kessel von Stalingrad. Nach dem Evanfelium der Abfolge Jesu schlug der Neupriester den Bogen: "Auch wir ruhen auf Vorvätern. Wir sind nur das was wir sind, weil es sie gab." Pater Placidus nimmt Bezug auf die sogenannten O-Antiphonen des Advents: "O sapientia - O Weisheit." Das sei die Dimension des Advents heute. Der Advent sei den Lesungen nach eine Zeit von Feuer und Erdbeben. Reuber schreibe in einem Brief: "Wir durchlebten und durchkämpften die größte Adventszeit unseres Lebens. In tätiger Erwartung unserer Erlösung. Uns sind in Verkettung von Schuld und Schicksal die Augen für die Schuld geöffnet worden." Die mangelnde Friedensbereitschaft sei Grund für die Katastrophen der Menschheit. Friede werde nicht erst in der großen Politik gemacht, sondern müsste bei uns selber beginnen. Krieg sei ein Audruck von Leid und Tod. Friede müsste bereits im kleinen gewahrt werden. Das Buch Genesis spreche vom Baum mit der Frucht der Erkenntnis. Die Kirchenväter hätten gesagt: "Aus dem Holz des Baumes der Erkenntnis sind Krippe und Kreuz gemacht." Christus selber sei die Weisheit, also die Frucht der Erkenntnis, die sich in der Krippe und der Katastrophe des Kreuzes wiederspiegelt. Die Pritschen der Lager seien eine Art hölzerne Krippen. Dies haben die Soldaten in der Stalingradmadonna gefunden: "Die Frucht der Rettung." Es sei wichtig, dass es Orte gebe, die von der tiefsten Not der Erniedrigung erzählen. Reuber: "Bei uns Gefangenen wurden wir zur Einkehr gezwungen." Verblendung führe - so der Neupriester - nur zu neuen Katrostrophen. Daher sei es wichtig, dass Gedenkorte wie die Heimkehrer-Dankeskirche an solche Katastrophen erinnern. Pater Placidus abschließend: "Orte wie die Heimkehrer-Dankeskirche reden von der Muttergottes, die die Weisheit geboren hat, die Frucht der Erkenntnis, gereift vom Baum von dessen Holz Krippe und Kreuz gemacht sind."

Nach-Primiz in der KryptaNach der heiligen Messe erteilte Pater Placidus den zahlreichen Gottesdienstbesuchern noch den Einzel-Primizsegen.

Der Marienwallfahrtsort Bochum-Stiepel ist eng mit der Geschichte der Heimkehrer-Dankeskirche verbunden. Vor Beginn des Kirchbaus fanden 1956 und 1958 zwei Bittwallfahrten zur Schmerzhaften Mutter von Bochum-Stiepel statt. Daher unterstreicht die Primiz eines Zisterziensermönches aus Bochum-Stiepel gerade auch diese geschichtliche Verbindung der beiden Orte.

Die Bochumer Heimkehrer-Dankeskirche soll auch weiterhin Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern sein. Pfadfinder aus der Gemeinde Heilige Familie - Heimkehr aus Ägypten - brachten so auch in diesem Jahr wieder das Friedenslicht von Bethlehem in die Heimkehrer-Dankeskirche und stellten es kürzlich im Sonntagsgottesdienst vor und gaben es an die Gottesdienstbesucher weiter. Ein treffendes Symbol für diese Gedenkstätte.

Fotos: H. Haferkamp

Ehrung für Alfons Stiewe

Heimkehrer-Dankeskirche
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Bochumer Oberbürgermeisterin ehrt Alfons Stiewe

Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiges Fundament unserer Gesellschaft. Auch in Bochum gibt es zahlreiche Menschen, die uneigennützig wirken und sich für das Wohl ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen. Die Bochumer Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz würdigte dies am 11. Dezember 2011 und ehrte neun ehrenamtlich tätige Frauen und Männer für ihren beispielhaften Einsatz. Darunter auch Alfons Stiewe aus der Gemeinde St. Franziskus Weitmar.

Für Alfons Stiewe ist die Heimkehrer-Dankeskirche der Mittelpunkte seines ehrenamtlichen Wirkens. Das katholische Gotteshaus in Bochum-Weitmar beherbergt in seiner Krypta viele Ausstellungsstücke, die die mehr als zwölf Millionen deutschen Kriegsgefangenen während ihrer Lagerhaft hergestellt haben. Pfarrvikar August Halbe initierte den Kirchbau nach 5 Jahren Kriegsgefangenschaft im Ural als Dank für die glückliche Rettung aus Not und Gefahr. Alfons Stiewe bringt Interessierten die Kirche und die Gedenkstätte in der Krypta sowie die Exponate als Kirchenführer eindrucksvoll näher. Darüber hinaus organisierte er über viele Jahre die so genannten Heimkehrer-Danktage, zu denen viele ehemalige Kriegsgefangene und deren Angehörigen nach Bochum kamen. Im Ost-West-Arbeitskreis half er, als Europa noch durch den Eisernen Vorhang getrennt war, über die Lebensverhältnisse im östlichen Teil Europas aufzuklären, und sammelte für die Menschen dort Kleider sowie Lebensmittel. Darüber hinaus verkauft Alfons Stiewe seit 23 Jahren in einem Team von rund 50 Ehrenamtlichen für Adveniat Glühwein und Plätzchen auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt. Mit dem Erlös werden Projekte in Lateinamerika unterstützt.

Für sein kirchliches Engagement wurde Alfons Stiewe bereits mit dem päpstlichen Orden "Pro Ecclesia et Pontifice" ("Für Kirche und Papst") ausgezeichnet. 

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Stadt Bochum.

Bild:
Alfons Stiewe (links) erläutert dem ehemaligen NRW-Landtagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden Helmut Stahl (rechts) bei einem Besuch der Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum das Bildnis der Stalingradmadonna; eine Reproduktion als bestickter Wandbehang befindet sich in der Krypta der Bochumer Kirche. (Fotograf: H. Haferkamp)

Landtagspräsident besucht Heimkehrer-Dankeskirche

Heimkehrer-Dankeskirche
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Kürzlich besuchte der Präsident des nordrhein-westfälischen Landtages, Eckhard Uhlenberg, die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar und informierte sich vor Ort über diese deutschlandweit einzigartige Kirche, die als lebendiger Dankaltar von Kriegsheimkehrern aus dem 2. Weltkrieg errichtet wurde und auch heute noch Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern sein soll. Begleitet wurde er vom Vorsitzenden des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsage in Bochum, Dr. Christoph Konrad. Die Gäste wurden seitens der Gemeinde von Pfarrer i. b. D. Theo Schwens, Alfons Stiewe und Christian Herker begrüßt. Pfarrer Theo Schwens führte die Gäste anschließend durch die Kirche und die Gedenkstätte in der Krypta. Landtagspräsident Uhlenberg bedankte sich anschließend für die "einfühlsame Führung" und wünschte der "eindrucksvollen Gedenkstätte" auch für die Zukunft viele aktive Mitstreiter, um den Erhalt auch für die kommenden Generationen zu sichern.

Hintergrund

Die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar wurde 1958 von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkunft aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren Kriegsgefangenen den Bau der Kirche als Ausdruck der Dankbarkeit vor Gott und die Rettung aus der Haft. Am 12. Dezember 1959 weihte Bischof Dr. Franz Hengsbach die Kirche und seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz. In der Krypta befindet sich heute ein Museum, das zahlreiche Gegenstände enthält, die in den Lagern mit deutschen Kriegsgefangenen entstanden sind. Hinzu kommen Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen, unter anderem eine Kopie der bekannten Madonna aus Stalingrad. Die Kirche ist somit zu einem Erinnerungsort von nationalem Rang geworden, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta lohnenswert: Zum einen erhalten sie Einblicke in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermit-telt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit. Nachfolgenden Generationen soll hier vor Augen geführt werden, dass das Recht der Freiheit und der Menschenwürde nicht selbstverständlich ist und stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden muss.

Bild v. l. n. r.: Alfons Stiewe, Dr. Christoph Konrad, Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg, Pfarrer Theo Schwens, Christian Herker. (Fotograf: H. Haferkamp)

Volkstrauertag in Heimkehrer-Dankeskirche

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Am Volkstrauertag wurde wieder in der "Heimkehrer-Dankeskirche" in Bochum-Weitmar der Opfer der Weltkriege sowie von Krieg und Terror gedacht. Hierzu hatten sich die Mitglieder des Bürgerschützenvereins Weitmar sowie zahlreiche Gemeindemitglieder in der Krypta der Kirche mit ihrer Gedenkstätte versammelt. Der ökumenische Gedenkfeier wurde von Pfarrer i. b. D. Theo Schwens und der evangelischen Pastorin Heidrun Schmidt-Solty von der benachbarten Emmausgemeinde geleitet. Bereits ab 14 Uhr war die Kirche für interessierte Besucher geöffnet.

Foto: H. Haferkamp